Die Quaggamuschel hat sich in den letzten Jahren im Übergangsbereich zwischen Untersee und Rhein stark ausgebreitet. Die abgestorbenen Muschelschalen werden dabei von der Strömung verfrachtet und in strömungsarmen Zonen rheinabwärts abgelagert. Um den Transport von grösseren Volumen in die unteren Flussabschnitte zu reduzieren, wird von den Kantonen Schaffhausen und Thurgau eine Entnahme und Verwertung der Muschelsedimente angestrebt. Dazu laufen zurzeit ein Industrieversuch im Holcim Zementwerk Siggenthal sowie Abklärungen in der Düngemittelindustrie. Grossflächige Ausbaggerungen sind nur dann sinnvoll, falls eine nachhaltige Materialverwertung zu verhältnismässigen Kosten möglich ist. 

 

In der letzten Septemberwoche werden deshalb rund 100 Kubikmeter Muschelsedimente im Bereich «z’Hose» unterhalb von Stein am Rhein entnommen. Der aktuell sehr tiefe Pegelstand ermöglicht die Entnahme mit einem Löffelbagger vom Ufer aus. Das Sediment wird für einen Industrieversuch ins Zementwerk in Siggenthal im Kanton Aargau zur Verwertung geführt. Dort wird geprüft, ob die kalkhaltigen Muschelschalen im Zementherstellungsprozess als Ersatz für natürlichen Kalkstein eingesetzt werden können. Dabei stehen insbesondere die Prozessstabilität und die Qualitätsanforderungen im Fokus. Zudem werden mit den Muschelschalen Versuche für den Einsatz in der Düngemittelindustrie getätigt. Die Resultate werden gegen Ende Jahr vorliegen. 

 

Aufgrund der grossen Ablagerungen von abgestorbenen Muschelschalen im Hochrhein zwischen Eschenz und Hemishofen haben die Kantone Schaffhausen und Thurgau im vergangenen Jahr vertiefte Abklärungen zum Vorkommen der Quaggamuschel und zur Entstehung der Ablagerungen durchgeführt. Erhoben wurden die Menge und die Verbreitung lebender Quaggamuscheln. Zudem wurde die Strömungsdynamik untersucht, um den Transport des Schalenmaterials und die Entstehung der Auflandungen besser zu verstehen. Die Ergebnisse dieser Abklärungen sind hier (Synthesebericht) einsehbar.


Seit 2024 führen Ablagerungen von abgestorbenen Quaggamuscheln im Hochrhein zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein bei tiefem Wasserstand zu Problemen für die Kursschifffahrt. Nach grossen Ablagerungen im Sommer 2024 wurden unterhalb von Stein am Rhein Muschelsedimente ausgebaggert, um die Schifffahrt wieder zu ermöglichen. 2025 traten erneut massive Ablagerungen auf. Aufgrund der hohen Kosten und der offenen Fragen zur weiteren Entsorgung und Verwertung des Materials verzichteten die Kantone Schaffhausen und Thurgau zunächst auf grossflächige Ausbaggerungen. Um Grundlagen für das weitere Vorgehen zu schaffen, setzte die beiden Kantone eine gemeinsame Arbeitsgruppe ein.
Anfang Juni 2026 wurden lokale Ablagerungen oberhalb der Hemishoferbrücke aufgelockert und dem natürlichen Abschwemmungsprozess überlassen. Damit konnte die Situation für die Schifffahrt verbessert werden. Die Rahmenbedingungen für die Schifffahrt auf dem Hochrhein verändern sich mit dem fortschreitenden Klimawandel unabhängig von der Verbreitung der Quaggamuschel.